Abklärungen und innovative Therapien für Erektionsstörungen

Erektionsstörungen haben ganz unterschiedliche Ursachen:

  • emotionale Gründe: Stress, Emotionen in der Paarbeziehung
  • kardiovaskulär: Gefässkrankheiten, also Durchblutungsstörungen
  • die Risikofaktoren für eine Gefässkrankheit: Rauchen, Diabetes mellitus, hoher Blutdruck, erhöhtes Cholesterin, bekannte Gefässkrankheiten in der Familie
  • hormonelle Störungen (Schilddrüsenhormone, Sexualhormone, Cortison)
  • neurologische Grunderkrankung (M. Parkinson, Verletzungen der Wirbelsäule)
  • urologische Grunderkrankung: Entzündungen oder Operationen der Prostata, Verletzungen des Beckens

Am wichtigsten sind dabei Gefässerkrankungen. Eine Erektionsstörung kann ein Vorbote einer koronaren Herzerkrankung sein, die zum Herzinfarkt führt! Vor jeder Behandlung einer erektilen Dysfunktion ist eine sachgerechte Abklärung der Ursachen unabdingbar! Diese beinhaltet ein Gespräch, eine Blutentnahme und ein EKG, was Sie auch bei Ihrem Hausarzt durchführen können. Das Ausmass der ED wird dem IIEF-5 (Link zu pdf) bestimmt.

Grundsätzlich soll eine Erektionsstörung nach ihrer Ursache behandelt werden, darum ist die erwähnte Abklärung so wichtig. Danach kommen die urologischen Guidelines zum Zug. Diese empfehlen als first-line Therapie die Medikamente, die weitherum bekannt sind: PDE5-Inhibitoren, also Viagra®, Levitra® und Cialis®, oder als second-line Therapie Caverject® oder MUSE®. Die nachfolgenden Therapien gelten als neue innovative Behandlungsansätze, die aber noch nicht offiziell anerkannt sind. Das sind: Exosmart PRP (Link), Botulinumtoxin (Link) und Stosswellentherapie (Link).

High-concentration Exosmart®-PRP

PRP, kurz für «plättchenreiches Plasma», ist eine der zahlreichen Methoden der Mesotherapie. Die Blutplättchen (Thrombozyten) sind für den Heilungsverlauf zuständig. Beispielsweise nach einer Schnittverletzung setzen sie eine Vielzahl an Wachstumsfaktoren frei, stillen die Blutung und fördern die Wundheilung. Diese Regenerationskraft nutzt auch die ästhetische Medizin, um das Hautbild zu verbessern.

Besonders wichtig ist natürlich die Qualität des PRPs. Mindestens eine Woche vor der Behandlung soll keine Aspirin oder andere NSAR (Irfen, Brufen, DoloSpedifen, Voltaren, Olfen, Ponstan, Mefenacid, Celebrex etc.) eingenommen werden, da sie die Blutplättchen hemmen und die Wirkung des PRP mindern.

Dann möchten wir auch eine hohe Konzentration von Blutplättchen in die Schwellkörper spritzen. Während für die meisten PRPs nur 10-15ml Blut zentrifugiert wird, wird das Exosmart® PRP aus 50ml Blut hergestellt. Daraus gewinnt man etwa 30ml Plasma, das noch konzentriert werden soll. Zu diesem Zweck wird das PRP mit dem System Exosmart® filtriert, wodurch Wasser entzogen und etwa 15ml hochkonzentriertes PRP gewonnen werden. Der Filter behält alle Partikel mit einer Grösse über 5 Nanometer zurück, also auch die körpereigenen Exosomen, Proteine und natürlich die Blutplättchen.
((Bild)) Skizze Blume: Illustration im Ordner

In den USA ist die Injektion von PRP in die Schwellkörper des Penis seit langem bekannt und wird mit einem markenrechtlich geschützten Begriff bezeichnet, der hier aus juristischen Gründen nicht genannt wird. Die Injektionen in die Schwellkörper des Penis sind leicht schmerzhaft, vergleichbar mit dem Stich bei einer Blutentnahme. Alternativ ist auch eine Blockanästhesie für den Penis möglich.

Ablauf - Behandlung

Das Wichtigste zur Behandlung mit ExoSmart PRP®:

Grundsätzlich sind nach der Behandlung kaum Schmerzen zu erwarten. Als positiv gilt aber leichtes Missbehagen von Tag 3-5, da es den inflammatorischen Beginn der Gefässregeneration anzeigt. Ebenso kann eine leichte Schwellung auftreten. Nach dem Tag 5 lassen diese Beschwerden aber nach. Durch die Injektion kann es zu kleinen Blutergüssen kommen. Ein weiteres Risiko sind Infektionen, weshalb für 5 Tage von Sauna, Vollbad und Sport abgeraten wird. Kurzes Duschen ist aber erlaubt, gut trocknen danach.


Bei den nachfolgend aufgeführten Komplikationen braucht es eine Notfallkonsultation: Priapismus (anhaltende Erektion), Fieber, eitriger Ausfluss, starke Schmerzen, die mit Einnahme von Dafalgan nicht bessern.

Für wen ist Exosmart®-PRP geeignet

Idealerweise wird es bei leichter bis mittelgradiger erektiler Dysfunktion / Erektionsproblemen eingesetzt. Auf dem IIEF-Score können bis zu 5 Punkte dazugewonnen werden. Bei schweren Erektionsstörungen dürfte der Erfolg bescheidener ausfallen. Patienten unter Antikoagulation (sogenannte Blutverdünner wie Xarelto®, Eliquis®, Lixiana®, Pradaxa® oder Marcoumar®) sollten keine Injektionen in die Corpora cavernosa erhalten. Aspirin cardio sollte – wenn möglich – 10 Tage vorher pausiert werden, dazu ist aber eine Rücksprache mit dem verschreibenden Arzt notwendig.

Banana Botulinum / Botox® für die Erektionsfähigkeit

Botulinumtoxin wird am Penis aus mehreren Gründen eingesetzt: beim Locker-Room-Syndrom, bei Erektionsstörungen und zur Stimulation des Längenwachstums.

Botulinumtoxin ist eine zusätzliche Option für die Verbesserung der Erektionsfähigkeit. In verschiedenen kleineren Studien wurde die Wirkung bei Patienten untersucht, die auf die konventionelle Pharmakotherapie ungenügend ansprachen. Die Erfolgsrate betrug 40-70%, wobei natürlich bei mild ausgeprägten Erektionsstörungen die Wirkung stärker war. Es ist zu beachten, dass manche Studien retrospektiv und nicht placebokontrolliert durchgeführt wurden.

Trotzdem ist es vielversprechend, dass dabei auch Patienten mit Vorerkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes wieder eine ausreichende Erektionsfähigkeit erreichen konnten, obwohl die übliche Pharmakotherapie zu wenig Wirkung hatte. Die Links zu den Studien finden Sie untenstehend.

Durch die Wirkung des Botulinumtoxins wird die Durchblutung in den Schwellkörpern gesteigert. Die Patienten berichten davon, dass nach ihrer Wahrnehmung die Grösse des Penis v.a. bezüglich Umfang leicht zugenommen habe, dass der Penis auch in schlaffem Zustand grösser wirke und die Erektion härter sei. Manche erklären, dass die Empfindlichkeit verbessert sei. Das ist auch medizinisch plausibel. Dennoch sollte das Ziel, eine festere Erektion zu bekommen, der Hauptgrund für diese Behandlung bleiben. Für eine Zunahme des Umfangs ist Filler viel geeigneter als Therapieansatz.

Ablauf - Behandlung

Das Wichtigste zur Behandlung mit Botulinumtoxin gegen Erektionsprobleme:

Banana Boost

Die Kombination aus high-concentration PRP und Botulinum für die Erektionsfähigkeit läuft in meiner Praxis unter der Bezeichnung Banana Boost. Diese Behandlung wird idealerweise in zwei Sitzungen im Abstand von 2 Wochen durchgeführt.

Studien zum Einsatz von Botulinum gegen die Ursachen für Erektionsstörungen

Stosswellentherapie oder Shockwave Therapy

LI-ESWT Low-intensity extracorporeal shockwave therapy: Hinter dieser komplizierten Bezeichnung verbirgt sich ganz einfach eine Schallwellentherapie. Es handelt sich um kurze hörbare Stosswellen mit einem schnellen Druckanstieg, die mithilfe von Gel in den Körper des Patienten geleitet werden.

 

Ursprünglich wurden Stosswellengeräte in den 1980er Jahren entwickelt, um Nieren- und Gallensteine zu zertrümmern und ohne chirurgischen Eingriff entfernen zu können. In der Physiotherapie wird die Stosswellentherapie zur Behandlung von Entzündungen und Kalkablagerungen eingesetzt. Die Verwendung für die vaskuläre Regeneration ist noch neuer. In Studien wurde belegt, dass die Wundheilung und die Neubildung von Gefässen bei diabetischen Wundheilungsstörungen beschleunigt wird.

 

Es ist letztlich nicht bekannt, wie lange die positive Wirkung auf die Erektionsfähigkeit anhält. Die Wirkung dürfte über ein paar Jahre anhalten. Danach kann es notwendig sein, die Behandlung zu wiederholen. Die Stosswellentherapie kann mit Exosmart®-PRP und Botulinum kombiniert werden.

Ablauf - Behandlung

Das Wichtigste zur Stosswellentherapie

Effektive PRP Therapie in Kombination mit Stosswellen und Botulinumtoxin

Für Männer ist das regenerative Potential des Exosmart®-PRP bei der Behandlung gegen Erektionsprobleme zu erwähnen, besonders in Kombination mit Botulinum (Botox®) und Shockwave-Therapie. Diese Therapie hat zahlreiche positive Effekte auf den Schwellkörper: Angiogenese (Regeneration von Blutgefässen), Endothelregeneration (die innere Auskleidung der Blutgefässe), Regeneration der «glatten Muskelzellen» – diese regulieren den Blutstrom in die Schwellkörper – und neurotrope Wirkung auf die Sensibilität.

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Ein Verzicht auf Alkohol am Behandlungstag und am Tag zuvor vermindern das Risiko von Blutergüssen. Nach der Injektion von PRP in die Schwellkörper sollten Sie für 5 Tage auf Sauna, Vollbad, Sport und Geschlechtsverkehr verzichten. Nach dem Duschen gut trocknen.

Nach der Behandlung gilt: Für weitere 2 Wochen sollten die oben aufgeführten Schmerzmittel und Aspirin vermieden werden. Die Einnahme von PDE5-Hemmern (Sildenafil, Tadalafil und Vardenafil) in der kleinsten Dosis wirkt syngergistisch zum Exosmart®-PRP, wobei Cialis® (Tadalafil) am geeignetsten scheint. Sofern mit den anderen Medikamenten des Patienten vereinbar, können PDE5-Hemmer über mehrere Monate eingenommen werden.

Vakuumpumpen können ab 10 Tagen nach Injektion angewendet werden, sie führen zu mehr Blutstrom in den Schwellkörpern, was sich positiv auf deren Regeneration auswirkt. Eine Stosswellen-Therapie als Ergänzung kann 2-4 Wochen nach Injektion begonnen bzw. fortgeführt werden.

Die Wirkung von Botulinumtoxin tritt nach 1-2 Wochen ein und hält für 3-6 Monate an. Für die Injektion ist keine Anästhesie notwendig, aber auf Wunsch ist eine Betäubung möglich. Die Behandlung dauert etwa 45 Minuten, was aber v.a. die Vorbereitungszeit beinhaltet. Die Injektion selber dauert wenige Minuten.

Was muss ich vor oder nach der Behandlung mit Stosswellen (ESWT) oder PRP tun oder unterlassen?

Vor und nach Stosswellentherapie sind keine besonderen Vorsichtsmassnahmen notwendig. Nach der Injektion von PRP in die Schwellkörper sollten Sie gleichentags sportliche oder sexuelle Aktivitäten vermeiden. Nach dem Duschen ebenfalls gut abtrocknen. Ab dem Folgetag sind alle Aktivitäten wie gewohnt erlaubt.

Wenn der Patient das PRP mit Botulinumtoxin kombinieren möchte, dann soll das Botulinum idealerweise 14 Tage vorher injiziert werden. Zur Kombinationstherapie existieren keine Studien. In Anbetracht des Wirkmechanismus erscheint die Kombination aber plausibel und die Risiken minimal.

Wichtig: Die Regeneration der Blutgefässe braucht Zeit, sodass das Resultat erst nach 3 Monaten beurteilt werden kann.

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